Die Zürcher Partykultur ist sehr vielfältig. Ein jedes gewilltes Menschlein findet früher oder später seinen kleinen Platz in den spärlich beleuchteten Partykellern dieser Stadt. Die Club-Dichte lässt andere Metropolen vor Neid erblassen, sogar aus unserem grossen nördlichen Nachbarkanton fahren regelmässig Partybusse nach Zürich, um ein erlebnisreiches Wochenende in den Katakomben des Zürcher Partylebens anzubieten.
Angebot & Nachfrage halten sich mehr oder weniger gut die Waage, es findet kaum eine Durchmischung der Zielgruppen statt, im grossen und ganzen lässt man sich gegenseitig in ruhe. Von Ausnahmen abgesehen, natürlich, aber Alkohol, Drogen & Testosteron ergeben sowieso in allen Lebenslagen eine explosive Mischung.
Dass ein jeder Zürcher Partygänger jedes Wochenende mehrmals auf seine Kosten kommt, haben wir der Entwicklung in den letzten 15-20 Jahren zu verdanken. Ehemals Durchgeknallte, die illegale Partys auf Parkplätzen schmissen, entwickelten sich zu Geschäftsführern von Ausgehlokalen, durch die man (tagsüber, wohlbemerkt) sogar die eigene Schwiegermutter führen könnte. Sofern es eine Klischee-Schwiegermutter ist, nicht eine lässige, die selbst wohlwollend der Züri-Szene eingestellt ist.
Durch dieses aus-der-Szene-Wachsen der Partyveranstalter entwickelte sich eine gute Stimmung. Alle waren happy, jeder feierte, bis es wieder hell (und sogar wieder dunkel) wurde, man hatte spass. Man ging aus, um spass zu haben - und jetzt kommt aber der springende Punkt: man ging aber auch aus, um unter sich zu sein.
Darin sehe ich grundsätzlich kein Problem, selbst ich gehe am liebsten mit meinen Liebsten feiern, man befindet sich ja nicht an einer Swinger-Party, wo fremde Menschen Hauptsache sind. Nein, wie oben erwähnt, geht man feiern um spass zu haben, und das kann man wohl oder übel nur am besten mit einem Umfeld, in welchem man sich aufgehoben fühlt.
Nun nimmt aber dieses Gedankengut langsam aber sicher seltsame Formen an, welche mir, der sich als grundsätzlich toleranten, offenen Menschen bezeichnet, mächtig gegen den Strich geht. Diese Entwicklung zeichnet sich als neue “Invite only”-Zweiklassengesellschaft ab.
Der Gedanke dahinter scheint, wie oben beschrieben, logisch. Man will nur die Leute um sich scharen, die man kennt, mit denen man schon unzählige Nächte durchgefeiert hat, die einem sympathisch sind. Was mich an der Umsetzung stört, ist dass ein Otto Normal, sofern er sich nicht durch gemeinsamen Drogenkonsum oder anderen Schlüpfrigkeiten in die Klasse der gehobenen Partygängern erhebt, keinen Ansatz an Chance hat, an diesen grundsätzlich sehr guten Nächten teilzunehmen.
Der Gedanke hört aber hier nicht auf, ich würde es verstehen, wenn zB ein SMS- oder Mail-Verteiler (oder sonst ein Verteiler, das Medium deiner Wahl verwendend) eingerichtet wird, so dass sich eine eingeschworene Clique im privaten Rahmen treffen und Spass haben kann, doch leider ist dem nicht so. In einschlägigen Clubs werden willkürlicherweise Einladungen zu solchen Veranstaltungen abgegeben, und dies mit einer verschwörerischen Art, dass es erschreckend anmutet. Mit diesem willkürlichen Auswahlverfahren wird meines Erachtens die “Familiärität” als Grund für den Ausschluss der Öffentlichkeit sofort aufgehoben. Genau diese Willkür und dieser Elitarismus sind meiner Meinung nach Stressfaktoren, und Stress gehört jetzt zuletzt in ein Wochenendprogramm.
Und es geht noch weiter (bzw. im Kreis), wenn ein Individuum durch glücklichen Zufall, und durch das Kennen der richtigen Personen einmal in den Genuss einer solchen Halbprivatveranstaltung kommt, dann keine Drogen konsumiert, oder sich nicht abends um 6 auf der Bar dem Geschlechtsverkehr frönend wiederfindet, wird er wieder mangels Coolness aus der Gilde ausgestossen. Womit wir wieder bei Drogen & Schlüpfrigkeiten wären.
Leider leider konnte ich diese Entwicklung seit ca. einem halben Jahr feststellen. Geheimniskrämerisch werden halbprivate Partys geschmissen, wenn man selbst nichts schmeisst, schmeisst einen der Elite-Konsens wieder aus dem Verteiler raus, und man darf sich von neuem anbiedern.
Und darauf, meine Lieben, habe ich keine Lust. Ich will mir nicht Gedanken machen, wie ich jetzt zum sagenumwobenen Flyer, SMS oder Bügelbild komme, um damit zum Kreis der erlesenen Restkultur zu gehören. Ich bin doch auch nur ein kleines, unschuldiges Zürcherli, welche mit seinen anderen kleinen und grösseren unschuldigen Zürcherli-Freunden eine gute Zeit haben will. Ist das ein Grund, der mich als potentiellen Partymacher ausschliesst? Ich behaupte nein.
Liebe Partyveranstalter von nah & fern, die ihr Unwesen in Zürich treibt. Spinnt doch den Gedanken weiter. Wenn ihr weiterhin inzestuöse Partys schmeisst, werden euch eure Freunde langsam wegsterben, so hart wie’s tönt. Verschliesst euch nicht vor potientell gutem Publikum. Auch Leute, die zufälligerweise nicht an eurem Zürisee-Barbecue & -Tanz im Juli 1993 dabei waren, können gas geben.
Wenn man ihnen eine Chance gibt.